Strom um sieben

Als Haus ist die Stadtwerkstatt von Anfang an untrennbar mit einem Selbstverständnis von Autonomie, Aktivismus, Subkultur und mit einer Praxis von immer wieder neu zu definierenden Kunstkontexten verbunden. Seit 2017 finden alle drei Monate im Cafe Strom Debatten zu Kunst, Kultur und Politik statt, zu denen jeweils zwei Gäste eingeladen werden.


Montag, 26.03.2018, 19 Uhr

Bis jetzt ist alles gutgegangen?

Öffentlichkeit und Verdrängung

Öffentlichkeit und halb-öffentliche Räume im soziokulturellem Spannungsfeld: Unsere Gesellschaft ist von einem Werte- und Kontrolldiskurs erfasst, der mitunter diffuse Angst und reale Verdrängung erzeugt. Künstlerische Räume der Gegenwart setzen aber vielfach auf radikale Selbstorganisation und versuchen sich an einer Umkehrung des Normativen auf einem zunehmend von Überwachung und Disziplinierung gefährdeten Territorium. Toleranz und Respekt sind jedenfalls in autonomen Kulturzentren nicht verhandelbar. Doch auch dieses Modell bleibt nicht ohne Widersprüche. Wer ordnet bzw. wie ordnet sich das Aufeinandertreffen von Regelwerk und Überschreitung? Was erfahren wir im Konflikt über die sozialen und kulturellen Verhältnisse? Und wo findet sich tatsächlich gesellschaftliche Dysfunktion?

Es diskutieren mit Gastgeber Martin Wassermair:
Tom Dautovic, Konfliktbegleitung und Gemeinwesenarbeit
Fabienne Décieux, Institut für Soziologie, Abt. f. Gesellschaftstheorie und Sozialanalysen

Hinweis: Filmvorführung „Hass“ („La Haine“)
Als Prolog wird am Vortag auf Initiative der STWST im Moviemento der Film „Hass“ von Mathieu Kassovitz gezeigt. Wir zitieren: Jusqu'ici tout va bien. Dies ist die Geschichte einer Gesellschaft, die fällt. Aber wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung. "Hass", 25. März, 21 h, Moviemento


Montag, 11.12.2017, 19 Uhr

Kunst und Aufbewahrung

Archive im Spannungsfeld von kultureller Macht und digitaler Selbstbestimmung

Unsere Wahrnehmung der Welt drängt zur Aufbewahrung und wird stets reproduziert. Für die Kunst sind es insbesondere die audiovisuellen Potentiale, die in Archiven lagern und in der Beurteilung und Deutung immer wieder neue Anstöße bieten. Das Archiv als künstlerische Praxis reicht bis in die frühen Avantgarden des 20. Jahrhunderts zurück und tritt auch im digitalen Zeitalter in Opposition zu starren Sammlungen und klassifikatorischen Ordnungen. Doch was lässt sich gegen die Deutungsmacht der institutionalisierten Archive aufbieten? Wie sind Verdrängtes, Vergessenes und Übersehenes von den konventionellen Repräsentationsweisen zu befreien? Und wer sorgt für eine adäquate Archivierung der digitalen Kunst seit den 80er Jahren bis über die Gegenwart hinaus?

Es diskutierten mit Gastgeber Martin Wassermair:
Katharina Gsöllpointner (Kunst- und Medienwissenschafterin, Wien)
Sabine Folie (Direktorin des VALIE EXPORT Centers, Linz; Gastprofessorin im Fachbreich „Public Art and New Artistic Strategies“ an der Bauhaus Universität Weimar)




Montag, 18.09.2017, 19 Uhr

Bitcoin, Gibling und das freie Geld

Alternative Währungsinseln zwischen Neuverteilung des Wohlstands und der Macht der Algorithmen

Mit der Krise der Wohlfahrtstaaten und der gerechten Verteilung von Vermögen gerät die radikale Neuerfindung des Geldes immer mehr ins öffentliche Blickfeld. Die Kunst hat sich schon bisher als Pionierfeld für derartige Überlegungen erwiesen. Mittlerweile sind alternative, komplementäre und lokale Währungsmodelle keineswegs mehr nur subkulturelle Randerscheinungen. Die digitale Technologieentwicklung schafft mannigfaltige Möglichkeiten bisher unbekannter Wertesysteme, an die sich zunehmend auch die Hoffnung auf eine Loslösung von den vorherrschenden Geld- und Finanzsystemen knüpft. Was ist also schon in naher Zukunft davon zu erwarten? Inwieweit kommen wir der gerechten Welt und dem Anspruch auf solidarische Gemeinwesen dadurch näher? Oder wird bereits heute das Eldorado für die anarcho-digitalen Finanzeliten von morgen geschaffen?

Es diskutierten mit Gastgeber Martin Wassermair:
Matthias Tarasiewicz (RIAT, Forschungsinstitut für Kunst und Technologie)
Beat Weber (Ökonom, Österreichische Nationalbank)




Montag, 19.06.2017, 19 Uhr

Lügen, Propaganda & Fiktion

Strategien in Kunst und Medien zur Auseinandersetzung mit der postfaktischen Wirklichkeit

Fake-News und Propaganda sind aus der Menschheitsgeschichte nicht wegzudenken. Projekte in Kunst und Medien haben das immer auch kritisch thematisiert. Gegenwärtig jedoch resultiert das globale Unbehagen vor allem aus der Entwicklung digitaler Informationstechnologien, die eine massenhafte Beteiligung an der Konstruktion und Verbreitung der vermeintlichen Wahrheit bzw. Unwahrheit möglich macht. Mit der Ungewissheit verbinden sich Verluste der bisher gekannten Konventionen in Kommunikation und Machtausübung – und stellt auch Kunst und Medien vor neue Herausforderungen. Doch wie schreibt sich die Auseinandersetzung mit den postfaktischen Gegebenheiten in die künstlerische und mediale Praxis ein? Woraus schöpft sich jetztnoch die Hoffnung auf mehr Demokratie, soziale Gerechtigkeit und gesellschaftliche Beteiligung? Und welche Handlungsspielräume gilt es dafür zu erschließen?

Es diskutierten mit Gastgeber Martin Wassermair:
Hans Bernhard (Medienkünstler, UBERMORGEN)
Katharina Schell (APA-Chefredaktion)




Montag, 27. März 2017, 19.00 Uhr

Kunstuniversität Quo Vadis?

Standortbestimmung und Zukunftssuche der institutionellen Kunstausbildung in Zeiten der gesellschaftlichen Krise.

Die österreichischen Kunstuniversitäten stehen vor einer großen Herausforderung. Der tiefgreifende technologische und gesellschaftliche Wandel wirkt auch auf die Kulturentwicklung. Um den öffentlichen Stellenwert und die Reputation auch in den kommenden Jahrzehnten geltend zu machen, muss auch die institutionelle Kunstausbildung neue Wege gehen. Doch wie sind zukunftsorientierte Inhalte in Forschung und Lehre zu gestalten? Wie verändern sich Zusammenarbeit und Kommunikation? Wie lassen sich Kunstuniversitäten als wichtige Orte der Wissensproduktion für das Gemeinwesen verankern?
Als Haus ist die Stadtwerkstatt von Anfang an untrennbar mit einem Selbstverständnis von Autonomie, Aktivismus, Subkultur und nicht zuletzt mit einer Praxis von immer wieder neu zu definierenden Kunstkontexten verbunden. Die in der Debatte lancierte Fragestellung nach einem innovativen Potential der Kunstuniversitäten trifft in der Stadtwerkstatt also nicht nur auf die heutigen „Zeiten der gesellschaftlichen Krise“, sondern findet auch an einem Ort statt, der in seinen Anfangszeiten in einem Akt der Selbstermächtigung auch als Abwendung von den Kunstinstitutionen entstanden ist. Die Stadtwerkstatt stellt mit „Kunstuniversität Quo Vadis“ damit auch die immanente Frage nach Kunst und Autonomie – bzw. wo Kunst und Autonomie in Zeiten der gesellschaftlichen Krise heute und in einer gedachten Zukunft überhaupt noch erkämpft werden können.

Es diskutierten mit Gastgeber Martin Wassermair:
Eva Blimlinger (Rektorin Akademie der bildenden Künste Wien)
Reinhard Kannonier (Rektor Kunstuniversität Linz)




„Strom um sieben“ ist eine Diskursveranstaltungsreihe von Stadtwerkstatt und Cafe Strom - in Medienpartnerschaft mit Radio FRO 105.0 und Dorf TV. Live-Mitschnitt von Zack Prack Productions, seit Dez 2017 von madhou5e.tv