QUASIKUNST






Projekte im Quasikunst-Modus:
Geld / Fassade

Spezielle Quasikunst-Projekte:
2015 Bäume / 2016 Nebel / 2017 Eisberg / 2018 Wind / 2019 Language und Deep Drilling / 2020 Mein Hirn gefriert

Quasikunst ist systemisch-performative Recherche, eine Beobachtung der an sich und in sich zusammengestürzten Systeme, der Nivellierung und der Irrationalität. Quasikunst ist ein je nach Projekt ausgerufenes systemisches Gebilde, sie definiert sich als Gegensatz und Untergrund in alle Richtungen. Unter den zunehmend rational manifestierten Oberflächen bedeutet Quasikunst: auseinanderdriftende, überlagerte Zustände, diffuse Kollektive, abgründige Verbindungen, anderes Material, gleichzeitiges ja und nein sagen. Gegensätze befragen Widersprüche, Kontexte werden um mehr Kontexte und Nicht-Deckungsgleiches erweitert.

Quasikunst war 2015-2018 jeweils eigenes Projekt (2015 „Bäumeballett, oder: I like Trees and Human Rights“, 2016 „Fog Ballett“, 2017 „Eisberg/The Entity - 48 Hours Meltdown“, 2018 „Windlines +++“) innerhalb eines seit 2014 andauernden Kunst/Theorie-Researches, mit Bezügen auf die Theorie der „Quasiobjekte“.

Quasikunst widmete sich 2015 mit „I like Trees and Human Rights“ den Bäumen: Kollektive aus Bäumen sowie lebenden und toten Menschen gebildet. Im Untergrund eines Waldbodens stecken Menschen mit dem Kopf im Boden, Zusammenhänge befragten Kontexte, unter anderem um unter den gereinigten Oberflächen die Moral der Geschichte und die Verschmutzungsgrade von Welt festzustellen. Bäume Bäume in der Versorgerin

Als Kunst- und Theorieresearch thematisierte zum Beispiel das Projekt „Fog Ballett“ in seiner Reflexion eine Gleichsetzung von Akteur und Netzwerk und verband diese in Form eines Nebels, auf den eine menschliche Figur projiziert wurde. Weiters wurde innerhalb dieser gleichsetzenden Nivellierung ein kontapunktisch gesetzter „dialectic turn“ einer menschlichen Behauptung ausgerufen. Nebel Fog Ballett in der Versorgerin.
2017 inszenierte „Iceberg/The Entity“ einen 2-Tonnen-Eisblock in der dunkel ausgeleuchteten Werkstatt der Stadtwerkstatt und damit ein Bedeutungstheater der unvereinbarten Widersprüche. Das Projekt ging von den Zusammenhängen und Widersprüchen aus, die mit dem Material Eis einhergehen und zeigte einen 48-Stunden-Meltdown, dem das Publikum beiwohnen konnte. In textlicher Reflexion wurde die systemisch-dynamische Definition von negativer Entropie, nämlich die „Erhöhung von Komplexität“ in eine „Erhöhung von Widerspruch“ gewendet. Eisberg 48 Hours Meltdown in der Versorgerin

Projekt 2018: Windlines / Movement A / 48 Hour of Drifting / Disapp (50.000)
2018 folgte den beinahe immateriellen Materialien Untergrund, Nebel, Eis der Wind. Der Kunst- und Kontextresearch zeigte in diesem Jahr „vier verblasene Koordinaten zwischen Kunst-Agens und Körper-Movens“. Der Fokus lag auf Luft, Transparenz und auf Projekten, die sich ihrer Umsetzung entziehen. Luft und Wind standen gleichermaßen für Atmen und Denken, für Körperliches und Abstraktes zugleich, standen für Geist und unsichtbare Massen von Molekülen. Die gedanklichen Ansätze hantierten mit Begriffen wie Unverbundenheit, Weitläufigkeit, Nivellierung, Auflösung, Gleichförmigkeit, Totalität – und markieren damit den kritischen Punkt der Arbeiten. In der Kritik der Totalität berühren sie auch eine Definition von Entropie – vor allem deswegen, um damit für eine Art von Ressource zu plädieren, deren Erhalt am Ende für nichts weniger als für eine Dialektik von Leben/Nicht-Leben von Relevanz ist. Ankündigung Windlines in der Versorgerin Längere Textreflexion über Quasikunst, Windlines und Entropie

Projekt 2019: Deep Drilling for Contracts. Soundhole.
Wir graben einfach runter. Soundhole im Keller der STWST. Untergrund: Das Herausschlagen von Macht/BUSINESS aus der Natur als Kernkompetenz unserer frühen Industrie/KULTURgeschichte. 12 Sekunden metallisches Gehämmere als geloopte und gestretchte Soundessenz einer Ring-Mythologie, die im späten 19. Jahrhundert den Übergang der Vormoderne zur Moderne verhandelt: Zuerst runtergraben und Erz aus dem Berg schlagen, dann durch technologischen Voodoo einen goldenen Ring der Macht schmieden, dann folgen Verträge und Kapital. Schon zu Beginn sind alle unglücklich. Viele Jahre später, jetzt: Smart. Individual. DEEP Core. Das Ende der bisherigen gemachten Verträge. Business am Wendepunkt. Ausbeutung as ever. Wir graben einfach weiter runter. Deep Drilling for NEW Contracts. Ein zweites Projekt, das 2019 umgesetzt wurde, war „The Unfinished Language“.
Projekt 2019: The Unfinished Language. Neologos-Textloch.
Kaputte STWST-Linguisten arbeiten mit einem unfertigen Schreibbot. Eingespeiste Textredaktion, das Bot-Review im Vorfeld, das Medium Sprache oder auch nur: Sprache ganz daneben. DER QUASI-BOT AND THE UNFINISHED LANGUAGE: »Am Anfang war das Wort. Aber das Wort hat keine Kraft mehr«. Wir schreiben in eine Zukunft.

Zum Projekt „Deep Drilling for Contracts“ finden sich auch Passagen innerhalb der Textreflexion über Quasikunst, Windlines und Entropie. Bzw ist als Reflexion der beiden Projekte „Deep Drilling for Contracts“ und „The Unfinished Language“ der Text Sprache im Antiquasimodus entstanden.


Projekt 2020: Mein Hirn gefriert bei minus 273 Grad: Text und Kontext als abstraktes Hochpotenzprojekt.

Mein Hirn gefriert bei minus 273 Grad ist ein Text- und Kontextprojekt in Hochpotenzauflösung. Es spricht über den Körper und setzt fort mit dem Denken über die Widersprüche an den Grenzen der Wissenschaft. „Mein Hirn“ beschäftigt sich mit körperlichen Mechanismen, die reduziert ansetzen, diffizil sind und an ungeklärten Berührungsflächen zu einem „Bewusstsein“ wirksam werden. Text und Reflexion gehen mit einem WENIGER an Körperaktivität einher. Was ist Atmen, Imagination, Bewegungsökonomie? Was ist Reduktion? WENIG WIRD MIT VIEL BEGRÜNDET.
Erweiterter Kontext 1: Dies wird um Reduktion auf der körperlichen Ebene des Stoffwechsels fortgesetzt. Es geht um Fasten und Autophagie: Mit diesem autonom-selbstwirksamen Mechanismus, der genetisch seit hunderttausenden Jahren in den Zellen gespeichert ist, setzen in Phasen ohne Nahrung „selbstfressende“ andere Zellprozesse ein, die etwa Selbstheilungsprozesse anregen.
Erweiterter Kontext 2: Körper-Paradoxa des weniger Vorhandenen spiegeln sich weit unter Null in einer Quantentheorie des Bewusstseins, bei der laut umstrittener Theorie im Gehirn Quanteneffekte geschehen und Bewusstsein erzeugen – obwohl Quanteneffekte etwa bei Quantencomputern laut gängiger Forschung erst gegen minus 273 Grad möglich sein sollen.
Alle diese Ansätze verlassen die engeren Grenzen der künstlerischen Praxis in Richtung Auflösung. Sie werden sinnbildlich und quasi-homöopathisch ins Nichts verdünnt und geschüttelt und als künstlerische Hochpotenzprojekte angelegt. An schwindelnden Grenzen pochen sie auf eine klassische Funktion von Kunst, indem sie das Unsagbare, Unaussprechliche, die Indirektheit, die Irrationalität, das Verborgene und das tatsächlich „Andere“ wirken lassen. Der Körper als Text-Hochpotenzprojekt auf eigenes Risiko: Mein Hirn gefriert bei minus 273 Grad. Das ist die Textebene von Mein Hirn gefriert bei minus 273 Grad.





Alle Quasikunst-Projekte: Quasikunst

Quasikunst kuratorisch / Projekte: STWST48x2/2016 STWSTx3/2017 STWST48x4/2018
STWST48x5/2019 - Deep Drilling STWST48x5/2019 - Unfinished Language STWST48x6/2020 - Mein Hirn gefriert bei minus 273 Grad

Connection zu: New Context Staging
Some Quasi Videos



Quasikunst ist seit etwa 2008 Begriffsbildung oder/und künstlerischer Arbeitsansatz von Tanja Brandmayr. Seit 2014 Research und Projekte im Kontext von Stadtwerkstatt Linz.

Quasikunst ist auch einer der übergeordneten Strukturbegriffe innerhalb der „Showcase-Extravanganza“ STWST48. Dieses Format läuft im September parallel und in Koop mit der Ars Electronica. Siehe oben: STWST48x2, STWST48x3, STWST48x4, STWST48x5, STWST48x6